“Melancholische, dramatische und immer melodiebesessene Stücke” – Carsten Dürer (PianoNEWS) über Markovinas Urspruch CD

Nach ihrem riesigen Projekt alle Klavierwerke C.P.E. Bachs einzuspielen, hat sich die Pianistin Ana-Marija Markovina wieder einem Komponisten umfassend gewidmet. Doch den Namen Anton Urspruch (1850-1907) kennt kaum jemand. Studiert hat er bei Joachim Raff, wurde in seiner Zeit anerkannt als Pianist und war mit Liszt befreundet. Kein Wunder, dass Urspruch – neben vielen anderen Genres – einige Klaviermusik hinterließ. Diese ist natürlich auch von der Zeit des Wandels, in der der Komponist lebte, beeinflusst, vom Virtuosentum im besten Sinne ebenso wie von der romantischen Idee der perfekten Form. Doch weitaus wichtiger: sie ist immer getragen von einem großzügig-lyrischen und ausladenden Gesang. Es sind kleinere Stücke zu Zyklen zusammengefasst, die Urspruch schrieb. Aber in dieser „Kleinheit“ findet man eine wunderbare Musik aus der Hochromantik. Schon die „Fünf Fantasiestücke“ Op. 2 zeigen usn den Charakter Urspruchs: Melancholische, dramatische und immer melodiebesessene Stücke, die in ihrer Schreibweise fast an den späten Brahms erinnern, von Schumann ebenso beeinflusst zu sein scheinen wie von der pianistischen Schreibweise eines Liszt. Und dennoch findet dieser Komponist eine eigene musikalische Sprache, mit vielen Seufzer-Motiven, einem spannungsreichen Wechsel zwischen tiefer Dramatik und frohlockenden Momenten. Kraftvoll kommen die „Deutschen Tänze“ Op. 7 daher. Rhythmisch prägnant und mit Witz und Schwelgerei. Wunderbar trifft Markovina den Charakter dieser Musik, kann mit ihrem variantenreichen Anschlag den richtigen Klang für die musikalische Aussage herausarbeiten. Das ist nicht ganz einfach bei den vielen kleinen Stücke, wie in den 24 Variationen Op. 10 von 1882. Wenn man diese drei CDs durchhört, entsteht ein Bild des Komponisten Anton Urspruch, das ihn zwischen Liszt, Brahms und Schumann einordnen lässt. Es ist wunderbare Musik, die sich hier erschließt. Und Markovina ist eine famose Interpretin dieser pianistisch anspruchsvollen Musik. Eine Entdeckungsreise, der man sich als Freund hochromantischer Musik hingeben muss.

Carsten Dürer, PIANONews, Juni 2017

 

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By mihael

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